Liebe Freunde und Mitstreiter,
sehr geehrte Damen und Herren,

aus tiefer Besorgnis um die Entwicklung in der Partei, um die Lage in Deutschland und Europa haben wir uns entschlossen, diesen Brief zu verfassen. Unser Antrieb ist die Hoffnung, dass sich die AfD, für die viele von uns sich seit Anbeginn engagiert haben, bei vielen unserer Wähler wieder als jene Partei wahrgenommen werden kann, der man zutraut, die schwierigen Aufgaben, vor denen Deutschland steht, aufzugreifen und letztlich zu meistern. Der Parteitag am 22. und 23. April in Köln muss dieses Fanal setzen.

„Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh’ im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!“

Es bedeutet überhaupt nichts, wenn wir aus voller Überzeugung diese Strophe unserer Nationalhymne singen, wenn wir dies nicht auch in unserer Partei nach innen und nach außen demonstrieren.

Es liegt uns fern, an dieser Stelle eine Bestandsanalyse der gesellschaftlichen Situation im Land vorzutragen, die ohnehin vielen von uns bewusst ist, auch den hunderttausenden AfD-Wählern und in weiten Teilen der Bevölkerung. „Wer Augen hat zu sehen, der sehe, wer Ohren hat zu hören, der höre … (Mk 8.18).“ An diesen Bibelspruch voller Gültigkeit sei nur kurz erinnert.

Nein, wir alle kennen die Gefahr, die aus der unverantwortlichen Politik der letzten drei Jahrzehnte geschaffen worden ist. Wir kennen aber auch die neuesten Umfragen, die der AfD eine Wählergunst zwischen 7 und 10 Prozent bescheinigt. Der rasante Rückgang der Zustimmung ist nicht im Programm begründet. Es sind die unfassbaren Auseinandersetzungen personeller Art und Weise, die in der Öffentlichkeit zu Recht und ganz gewollt den Eindruck erwecken, dass die AfD eben keine Alternative für Deutschland sei. Einer der Gründe des Abschneidens der AfD Saarland mit 6,2 Prozent.

Der Höhepunkt dieser Kampagne stellt für uns die Entscheidung der Mehrheit des Bundesvorstandes dar, den Landesvorsitzenden der AfD Thüringen, Björn Höcke zu beschädigen, ja, ihn sogar einem Parteiausschlussverfahren auszusetzen. Wohl wissend, dass er, der die AfD maßgeblich mit aufgebaut hat – und nicht nur in Thüringen – einer der bekanntesten, ja, auch umstrittensten, aber unbestritten auch einer der fähigsten AfD-Politiker ist, der ab und an nicht fehlerfrei in seinem Auftreten und Reden ist – Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! (Johannes 8, 7) – sich aber Deutschland seit vielen Jahren treu verpflichtet fühlt. Es sei nur daran erinnert, dass alle 91 Anzeigen wegen „Volksverhetzung“ bezüglich seiner Dresdner Rede von der Staatsanwaltschaft Dresden abgewiesen worden sind.

Was sollen also letztendlich die Gründe sein, die ein Parteiausschlussverfahren jemals rechtfertigen würden? Nach unserer Auffassung ist ein solches Verfahren im höchsten Maße parteischädigend, unmoralisch, verletzend und für Björn sogar existenzgefährdend. Festzustellen ist: Niemand von uns ist fehlerfrei. Es liegt nicht in unserer Absicht, die Mitglieder des Bundesvorstandes, die zu dieser Entscheidung beigetragen haben, zu diskreditieren. Sie alle haben ebenfalls seit Jahren viel für die Entwicklung der AfD beigetragen. Doch nun wurde ein Fehler gemacht, der dringendst und unverzüglich korrigiert werden muss. Beim Thüringer Landesparteitag am 1. April in Berlstedt wurde ein weiteres Mal überdeutlich, dass die Thüringer AfD – bis auf wenige Ausnahmen – hinter ihrem Landesvorsitzenden steht.

Neben allen anderen Entscheidungen, die auf dem Delegiertenparteitag der AfD in Köln getroffen werden, ist die Einstellung des unsäglichen Beschlusses mitsamt dem Verfahren eine der wichtigsten Entscheidungen.

Von daher appellieren wir an alle Delegierten, an die Kreisverbände und Landesverbände unserer Partei, über die Brücke zu gehen, die wir vor Köln und auf dem Parteitag im April schlagen müssen, um unserem Ziel gerecht zu werden, welches mit der Gründung der AfD postuliert worden ist. Diese Aufgabe heißt Deutschland. Die einzelnen Schritte dazu sind in unserem Wahlprogramm formuliert.

Mit einer zerstrittenen und in Flügelkämpfen verwickelten Partei werden wir diesen Aufgaben und den damit verbundenen Erwartungen der Bürger nicht gerecht.

Der Weg ist schwierig, das wissen wir alle. Der Gegenwind ist stark und wird weiter wachsen. Der Sturm gegen die AfD wird angetrieben von der Angst des politischen, medialen und kulturellen Establishments vor der Aufdeckung all der Lügen und Rechtsbrüche, die in den zurückliegenden Jahrzehnten diesen Mantel von Unwahrheit, Unmoral, Armut, Zukunftsängsten, Verschuldung, sozialer Ungerechtigkeit und zusätzlicher Milliardenschulden zur Finanzierung von Todfeinden der Demokratie über unser Land gelegt hat.

Selbstverständlich kann man immer über einen Weg, der zu gehen ist, streiten, das Für und Wider abwägen. Aber diesen Weg müssen wir gemeinsam gehen. Aneinandergereiht, gegenseitig vertrauend, unterstützend – aber gemeinsam. Das und nichts anderes wird von der AfD erwartet. Nur darauf baut sich Vertrauen in die Kraft kluger Köpfe auf, Vertrauen auf mutige Frauen und Männer, die diesem Sturm trotzen, weil sie auch fachlich, politisch und gesellschaftlich kompetent sind. Alles andere sind Irrwege. Irrwege, welche die Partei in die Bedeutungslosigkeit führen werden. Wenn das aber eintreten sollte, wird es das Deutschland, für das wir streiten, in weniger als zwei, drei Generationen nicht mehr geben.

Es wäre das Ende aller unserer Hoffnungen.

Von daher bitten wir all jene, die dieses Schreiben samt Anhang erhalten, sich dessen bewusst zu werden und auf diesem Kölner Parteitag den Bundesvorstand zu veranlassen, das Parteiausschlussverfahren gegen Björn Höcke einzustellen. Wir sagen ganz offen: Wer nicht erkennt, wie groß die Gefahr ist, die uns umgibt, der sollte das Frühjahr anderweitig nutzen. Wer sie aber erkennt und diesen Anschlag auf die Freiheit und Souveränität unseres Landes wehrhaft trotzen will, weiß auch, dass wir gemeinsam – trotz oder gerade wegen unterschiedlicher Auffassungen im Detail – dieser Gefahr entgegentreten müssen, so wir Erfolg haben wollen. Es wäre im April 2017 ein erster Schritt auf dem richtigen Weg – gleichgültig was vorgefallen, was geschrieben und gesagt worden ist.

Wir wünschen allen Freunden, Mitstreitern und Lesern ein frohes Osterfest.

Der Vorstand des Kreisverbandes AfD-Ilmkreis-Gotha